Montage / Fotos: Jens Gerber(Gewandhaus) / Wikipedia

Schubert und Brahms
Einst im Gewandhaus uraufgeführt

Von Werner Wolf

Vor der vierwöchigen Europa/Asien-Tournee unter Leitung von Herbert Blomstedt mit einst vom Gewandhausorchester uraufgeführten Werken konnten die Leipziger nun auch noch die große C-Dur-Sinfonie von Franz Schubert sowie das Violinkonzert und »Ein deutsches Requiem« von Johannes Brahms erleben. Es erweckt immer wieder Bewunderung mit welcher Energie, Feinsinnigkeit und geistigen Überlegenheit der 90-jährige Gewandhaus-Ehrendirigent so gewaltige Werke ausformt, wie er bei genauer Beachtung jedes Details alles zum großen Ganzen gestaltet, wie er auch bei dramatischen Höhepunkten die Klangkultur wahrt.

Da wird ganz offenbar, mit welcher Kühnheit und welchem Ideenreichtum nach der Uraufführung der »Neunten« Beethovens Schubert eigene Wege beschritt, auf denen ihm seine Wiener Zeitgenossen nicht folgen konnten. Erst Felix Mendelssohn Bartholdy öffnete sie mit dem Gewandhausorchester und Robert Schumann feierte das Werk in seiner »Neuen Zeitung für Musik« mit schwärmerischen Worten, rühmte die »himmlischen Längen«.

Im Violinkonzert von Brahms, dessen Solopart wiederum Leonidas Kavakos vollendet spielte, kommt unter Blomstedts Leitung die Verbindung zum Beethovenschen ebenso deutlich zur Geltung wie das für Brahms charakteristische Eigene. Mit dem »Deutschen Requiem« lässt Blomstedt zum Ereignis werden, wie Brahms im Unterschied zum »Tag des Zornes« im katholischen Requiem ohne die Unerbittlichkeit des Todes zu verkennen, vor allem herzergreifende Töne des Trostes fand, die der Gewandhauschor und der Wiener Singverein tief berührend klingen ließen.

Der Beitrag ist erschienen auf LEIPZIGS NEUE Seiten im November 2017