Lindenauer Medaillengewinner der Öresundspiele 2015 (hinten v.l. Katharina Bäzol, Lena Miethe, Josephine Kurzke, Niklas Uth, vorne v.l. Jan Bach, Nadja Rosner, Markus Lietzberg Fotos: SV Lindenau 1848 e.V.
2. Platz bei den DDR-Meisterschaften 1950 im Diskuswurf auf dem zweiten Platz Ruth Wiederhold (links). Meisterin wurde die Magdeburgerin Lore Klitsch (Mitte).
Vor kurzem gab es in Leipzig ein Jubiläum. Die Leichtathleten des Sportvereins »Lindenau 1848« feierten den 70. Geburtstag.
Wie begann es? Sie trafen sich 1945, nachdem die sowjetische Militäradministration genehmigte, dass antifaschistische Sportvereine gebildet werden konnten, auf dem Sportgelände Charlottenhof und gründeten die SG Lindenau. Dieser Verein gehörte bis in die Mitte der 1950er Jahre zu den Zentren der deutschen Leichtathletik. Allein 1948 kamen sieben Ostzonenmeister und später, bis 1954, 27 weitere DDR-Meistertitel von dort. Unter dem Namen BSG Empor Lindenau schrieb er Leipziger Sportgeschichte. Viele Spitzenathleten wurden hier von ausgezeichneten Trainern ausgebildet. Um nur einen zu nennen, die Liste ist weitaus größer: Emil Hirschfeld war 1928 Weltrekordler im Kugelstoßen, zweimaliger Olympiateilnehmer und erster 16-m-Stoßer der Welt. Er wirkte zwischen 1951 und 1954 als Trainer beim inzwischen umbenannten Verein Empor Lindenau. In dieser Zeit holten u. a. die Werfer Karl Kröniger, Dr. Marcellus Markus und Ruth Wiederhold viele Meistertitel für den Verein. Ruth Wiederhold war noch bis 2002 international bei Seniorenwettkämpfen aktiv und erfolgreich. In den Laufdisziplinen bestimmten Lindenauer Meister, z. B. die Läufer Bohla, Töpelt, Scholz und Bäslack, das Leistungsniveau in der DDR entscheidend mit.
Anfang der 60er Jahre wurde auf dem Charlottenhof ein Leichtathletik-Trainingszentrum für Kinder und Jugendliche errichtet. Es bestand bis zur Wende 1989/90. Dort trainierte unter anderem die Bahnradsport-Weltmeisterin Petra Roßner, die in ihrer Kindheit als Leichtathletin angefangen hatte. Die Geherin Gabriele Herold und die Hochspringerin Andrea Reichstein-Bienias gehörten ebenfalls zu denen, die in Lindenau ihre ersten sportlichen »Gehversuche« machten.
Seit 1989/90 lief manches anders in der Geschichte der Lindenauer Leichathletik. 1993 wurde erstmals die Abteilung durch den Landessportbund Sachsen zum Talentstützpunkt Leichtathletik berufen, der bis heute erfolgreich arbeitet. Die Erfolge besonders im Kinder- und Jugendbereich sind dem Fleiß und großem Engagement der ehrenamtlichen Trainer zu danken.
Ein besonderer Höhepunkt im Leichtathletikjahr der Lindenauer sind die jährlich in Helsingborg (Schweden), stattfindenden Internationalen Öresundspiele für Kinder und Jugendliche mit weit über 1000 Teilnehmern. In diesem Jahr traf die elfköpfige Sportlerdelegation auf Teilnehmer aus Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen, Österreich, Katar, USA und Deutschland. Die Sportler kamen mit vier Siegen, einem zweiten und einem dritten Platz zurück nach Leipzig. Insgesamt gab es 16 Platzierungen auf den ersten acht Plätzen.
Die Teilnahme Lindenauer Leichtathleten an den Sächsischen Landesmeisterschaften ist nicht nur Pflicht. Dort qualifizieren sich immer wieder Kinder und Jugendliche für die Deutschen Meisterschaften. In diesem Jahr qualifizierte sich Lea Wipper für die Deutschen Meisterschaften im Siebenkampf in der Altersklasse W 14 und Nadja Rosner für die Deutschen Meisterschaften der W 15 im Blockmehrkampf der U 16.
Bei den Stadtsportspielen, der »LIPSIADE«, gingen in diesem Jahr 40 Medaillen auf das Konto der Lindenauer.
Die Senioren mischen besonders in den Wurfdisziplinen mit. Hier kämpfen die Sportfreunde Behrendt und Rühlemann, beide sind Jahrgang 1937, in der sächsischen Landesspitze. So wurde Hartmut Behrendt in diesem Jahr Landesmeister im Werfer-Fünfkampf in der AK 75.
Der 70. Geburtstag wurde im Rahmen des 12. Frank-Ulrich-Gedenksportfestes begangen. Zusammen mit Athleten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gedachten sie dabei des Lindenauer Leichtathleten Frank Ulrich, der im Sommer 2003 tödlich verunglückte.
Der Beitrag ist erschienen in LEIPZIGS NEUE, Ausgabe September 2015
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